Harlachberg, Foto: Hospizverein Zwiesel-Regen e.V.
Harlachberg, Foto: Hospizverein Zwiesel-Regen e.V.

Seit vielen Jahren findet nun schon traditionsgemäß die Herbsttagung des Hospizvereins Zwiesel-Regen am Harlachberg statt, die sich vor allem an die aktiven Hospizbegleiter wendet. Im Vorfeld wird nach einem Tagesthema gesucht, dass aufgrund der ehrenamtlichen Arbeit in den Fokus vieler Begleiter gerückt ist und neuen Input braucht.

Die Tagung wurde eröffnet mit der Integration der neuen Hospizbegleiter, die 2018 ihre Ausbildung absolviert haben. Zwei Frauen und ein Mann werden in Zukunft die Gruppe der ehrenamtlichen Sterbebegleiter verstärken. Sie wurden von ihren Paten mit einem Licht, das sie symbolisch in ihrer Arbeit begleiten soll, herzlich willkommen geheißen.

In diesem Jahr wählte man das Thema „Ich bin sprachlos“. Als Referentin konnte  die Vorsitzende des Hospizvereins Heidemarie Horenburg die Diplom-psychologin Martina Schäfer aus Regensburg gewinnen, eine kompetente, erfahrene und einfühlsame Frau. Sie verstand es, die 26 Teilnehmer zu motivieren und gedanklich mitzunehmen. Jede Form der Kommunikation ist abhängig von der Person, von der Wahrnehmung des Gegenübers, von Empathie oder Antipathie, aber auch von Kultur und Erziehung. Man arbeitete heraus, dass die Sprachlosigkeit zunächst fast immer negativ assoziiert ist, mit Rat- und Hilflosigkeit gleichgesetzt oder als Nichtbeachtung des Gegenübers gesehen wird. Dabei sind Schweigen und Stille und die damit verbundene Sprachlosigkeit sehr facettenreich. Sie können Voraussetzung zum Lauschen, zum aktiven Zuhören und zum Sammeln der eigenen Gedanken sein. So klingt es fast paradox, wenn man Sprachlosigkeit als ein Mittel der Kommunikation bezeichnet. Dies erklärt der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick mit seiner These „Man kann nicht nicht kommunizieren“, denn neben der Sprache gibt es viele andere Möglichkeiten sich mitzuteilen. Durch Textbeispiele wurde den Teilnehmern bewusst, wie schwer Stille zu ertragen ist, aber auch wie heilsam sie sein kann. Wenn Schweigen allerdings im Kontext mit Verschweigen auftritt, wird es für die Menschen, die selbst mit schwerer Erkrankung zu kämpfen haben, und deren Angehörige äußerst belastend – oft über den Tod des Schwerkranken hinaus.

Für die Hospizbegleiter war die Arbeitstagung äußerst gewinnbringend, weil man sein Wissen über Kommunikation allgemein vertiefen konnte und die Sprachlosigkeit, die uns in manchen Situationen verunsichert, als Kommunikationsmittel erklärbar geworden ist und nun besser akzeptiert werden kann.

In ihrem Dank brachte Heidemarie Horenburg, 1. Vorsitzende des Hospizvereins, die Wahrnehmungen aller Teilnehmer zum Ausdruck, dass die Referentin Martina Schäfer alle mit gemeinsam Erarbeitetem und Erfahrungsaustausch weiter gebracht hat und in ihrer Professionalität gepaart mit einer angenehmen Art wieder Gast beim Hospizverein Zwiesel-Regen sein sollte. Der Referentin, die der Tagungsort Harlachberg sehr ansprach, wurde mit einem Buchgeschenk, das ihr die Bahnfahrt angenehmer machen sollte, gedankt.