Der Sommer ist vorbei, die Herbstzeit beginnt, die Tage werden kürzer, es wird neblig und kühler. Wir sehnen uns nach Gemütlichkeit,  Wärme und Nähe. Wo kann das besser gelebt werden als im Hoagarten, der herbstlichen Sitzweil, in der traditionsgemäß erzählt, gelesen und gesungen wird!

Zum zweiten Mal hat der Hospizverein Zwiesel-Regen e. V. zum Hoagarten in das katholische Pfarrzentrum Zwiesel eingeladen. Mit annähernd hundert Gästen konnte die Vorsitzende Heidemarie Horenburg Prof. Dr. Dr. Helmut Zöpf, der vielen bereits aus Funk und Fernsehen bekannt ist, und „Die Lenzerischen“ mit Vroni Schagemann, Lisbeth Kagerbauer und Stefan Kopf begrüßen, die auch ihren Freund Olaf mitgebracht hatten. Gemeinsam freute man sich auf einen unterhaltsamen Abend.

Die Anspannung, zumindest bei der Vorsitzenden, war groß, hatte man doch im Vorfeld keinen Programmablauf festlegen können und die Hauptpersonen dieses Abends hatten sich zuvor noch nie gesehen! Schnell merkte man, dass Profis am Werk waren, bei denen Blicke und aufmerksames Zuhören genügten, um sich bestens zu verstehen.

„Die Lenzerischen“ eröffneten den Abend mit dem Lied „Der Summa is furt“ und leiteten damit zur gemütlichen Herbstzeit über, in der man sich oft wünscht, die Zeit möge stehenbleiben. Prof. Zöpfl, emeritierter Pädagogikprofessor und Mundartdichter, ausgezeichnet mit vielen Preisen, u.a. mit dem  Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Bayerischer Verdienstorden, dem Oberbayerischer Kulturpreis und aktuell mit dem Waldschmidtpreis der Gemeinde Eschlkam, las kurzweilig aus seinen Werken „Geh weiter, Zeit, bleib stehn“, „Dem Leben einen Sinn geben“, „Und der Himmel lacht dazu“, „Leben und leben lassen“, „Klassentreffen – Erinnerungen aus meiner Kindheit“, „Tiere kommen in den Himmel“ und „Gute Gedanken zum Tag“. Für den Pädagogen war es ein Leichtes, Lustiges und Besinnliches, Gereimtes und Ungereimtes vorzutragen und dabei auch gesellschaftliche und pädagogische Entwicklungen kritisch zu betrachten.
Ein besonderer Genuss waren „Die Lenzerischen“ mit ihrem wunderbaren Gesang und Instrumentalbegleitung. Sie griffen im Laufe des Abends ein jedes Stichwort Zöpfls auf, um dieses musikalisch schwungvoll umzusetzen. Sie vollbrachten damit eine Höchstleistung, da sei nie wussten, welchen Text Zöpfl als nächstes lesen würde. Sie sangen vom gescheiten Vogel, der sich nie erwischen lässt, vom Stierhüter, vom Eichelbauern und vom Schneider, sie jodelten, sangen und spielten Zwiefache, Liebeslieder wie „Mei Schwarze“ und „Seg i di“ sowie „Wirmer waht der Westwind“. Großen Beifall bekamen Vroni Schagemann und Olaf für ein selbst getextetes Jahreszeitenlied, das sie gemeinsam in bayerisch und hochdeutsch zum Besten gaben, eine gesangliche Glanzleistung in höchster Konzentration. Als Zugabe sangen „Die Lenzerischen“ noch „Der Tag is mei Freind“.
Die Vorsitzende des Hospizvereins bedankte sich mit Gastgeschenken bei den Sängern und Prof. Helmut Zöpfl, die so phantastisch harmonierten und unterhielten, und nun die Zeit nutzten, miteinander in persönliche Gespräche zu kommen. Bedankt wurden aber auch die vielen Sponsoren aus den eigenen Reihen und denen Freunde des Hospizvereins, die bestens für das leibliche Wohl gesorgt haben.

Nun konnten alle Gäste den Abend noch gemütlich ausklingen lassen und hatten Gelegenheit, handsignierte Bücher von Prof. Zöpfl zu erwerben. Mit aufgelegt waren seine neuen Bücher „Zurückbleiben, bitte!“ eine Streitschrift voller bissiger Satire, und „Pssst … Streng vertraulich“ eine bissige Gesellschaftssatire. Wer glaubt, dass ein Mann, der heuer seinen 80. Geburtstag feiert, altersmilde ist oder wird, der hat sich geirrt, denn Zöpfl steht nach wie vor kritisch beobachtend mittendrin im Weltgeschehen.

Fotos: Sonja Fürst